Anerkennung von Stress als Berufskrankheit: eine verpasste Chance

Stress ist ein zunehmendes Problem für die Arbeitnehmenden

Der Nationalrat hat eine Chance verpasst, die Anerkennung von Stresserkrankungen als Berufskrankheiten zu verbessern. Er ignoriert wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie das Problem der explodierenden Krankenkassenprämien.

Letzte Woche veröffentlichte das Bundesamt für Statistik neue Zahlen, die das Ausmass des Stresses am Arbeitsplatz zeigen: Fast ein Viertel der Beschäftigten fühlt sich bei der Arbeit meistens oder immer gestresst. Jede fünfte Person ist «emotional erschöpft», das heisst unmittelbar Burnout-gefährdet. Diese Zahlen sind dramatisch.

Erkrankte zahlen selber – oder die Allgemeinheit springt ein

Besonders stossend ist: Wenn jemand wegen arbeitsbedingten Stresses krank wird, bezahlt diese Person die anfallenden Kosten entweder selber (Franchise und Selbstbehalt) oder diese werden von der Allgemeinheit über die Krankenversicherung bezahlt. Denn für die Anerkennung, dass eine Krankheit durch die Berufstätigkeit ausgelöst wurde, bestehen hohe Hürden.

Die Arbeitgeber, die laut Gesetz für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verantwortlich sind, können sich aus der Verantwortung stehlen, während Millionen Versicherte unter steigenden Krankenkassenprämien leiden.

Parlamentarische Initiative abgelehnt

Gestern hat der Nationalrat eine parlamentarische Initiative abgelehnt, die eine einfachere Anerkennung von Stress und anderen Erkrankungen als Berufskrankheiten forderte.

Die bürgerliche Parlamentsmehrheit hat offenbar kein Interesse daran, die Verursacher für die Gesundheitskosten zahlen zu lassen. Leidtragende sind die betroffenen Arbeitnehmenden, denen neben den gesundheitlichen weiterhin auch finanzielle Probleme drohen.

Am 9. Juni ein Ja zur Prämien-Entlastungs-Initiative aus Notwehr

Den Arbeitnehmenden, denen überdies im nächsten Jahr ein weiterer Prämienschock mit durchschnittlich 6 Prozent höheren Krankenkassenprämien droht, haben immerhin die Möglichkeit, am 9. Juni politisch entgegenzusteuern: Mit einem Ja zur Prämien-Entlastungs-Initiative können sie dafür sorgen, dass zumindest bei den Prämien die Belastung auf ein halbwegs erträgliches Mass begrenzt wird.

Angesichts der totalen Gleichgültigkeit des bürgerlich dominierten Parlaments für die Sorgen der Bevölkerung ist es nur folgerichtig, wenn die Menschen sich mit dem Stimmzettel wehren.