Die Wirtschaftskommission des Ständerats (WAK-S) ist am 16. Februar einer Standesinitiative des Kantons Zürich (23.325) gefolgt, die eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag fordert. Der Kanton Zürich verlangt schweizweit einen weitreichenden Ausbau der Sonntagsarbeit – und damit eine deutliche Lockerung der Schutzbestimmungen im Arbeitsgesetz. Dies trotz breitem Widerstand in der Vernehmlassung von Kantonen, Wissenschaft und Fachorganisationen aus dem Bereich Gesundheitsschutz.
So planen die bürgerlichen Politiker:innen, die Sonntagsarbeit zu verdreifachen – obwohl die Stimmberechtigten in vielen Kantonen und Gemeinden eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten in mehr als zwei Dritteln der Abstimmungen immer wieder abgelehnt hatten. Und die Mehrheit der Kantone schöpft nicht einmal die vier bewilligungsfreien Sonntage aus. Die Verdreifachung der Sonntagsverkäufe auf 12 verkaufsoffene Sonntage dehnt die Sonntagsarbeit massiv aus und betrifft viele Branchen, wie auch die Logistikbranche. Ein weiterer Affront: damit fallen die heutigen Zuschläge von 50% für Sonntagsarbeit weg.
Die Unia ruft den Ständerat auf, die Angriffe auf die Gesundheit und die Arbeitsrechte der Beschäftigten einzustellen. Mehr Sonntagsarbeit geht auf Kosten von Erholung, Freizeit und gesellschaftlicher Teilhabe und bedroht die Gesundheit der Arbeitnehmenden. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia haben Verkäufer:innen Ende Oktober 2025 über 9000 Unterschriften gegen mehr Sonntagsarbeit gesammelt. Es gilt, die Realität der arbeitenden Bevölkerung ernst zu nehmen – es braucht mehr Schutz, nicht weniger.
Die Unia kritisiert die geplante Änderung scharf, da diese die Arbeitsbedingungen und den Schutz der Gesundheit weiter verschlechtern würde.
Wie bereits der Nationalrat will auch die Kommission des Ständerats, kantonale Mindestlöhne aushebeln. Dies verhindert, dass Kantone und Gemeinden Mindestlöhne erlassen können, um Armut trotz Arbeit zu bekämpfen. Darunter leiden Beschäftigte in Tieflohnbranchen wie im Gastgewerbe, im Detailhandel, in Coiffeursalons, in der Reinigung, darunter besonders viele Frauen. Damit wird das Ziel existenzsichernder Löhne ausgehebelt und die Menschen bleiben auf Sozialhilfe angewiesen, welche dann die Allgemeinheit zahlt. Dass soziale Mindestlöhne wirken, beweist eine Studie zum Kanton Genf, wo die tiefsten Löhne deutlich angestiegen sind.
Die Wirtschaftskommission missachtet die Verfassung und den Föderalismus, obwohl der Bund, die Kantone und diverse Gutachten diese Rechtsverletzungen kritisieren.
Die Unia wird sich dezidiert gegen die Aushebelung sozialer Mindestlöhne wehren. Die Beratung im Ständerat ist in der anstehenden Session (17. März) traktandiert.
Gewerkschaft Unia 2026