Beschäftigte fordern faire GAV für die Holzbranchen

Luzern – Rund 300 Schreiner:innen und Zimmerleute haben an der diesjährigen Landsgemeinde der Holzbranchen ein deutliches Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen gesetzt. Nach einem Umzug durch die Luzerner Innenstadt verliehen sie ihren Forderungen auf der Reussbrücke mit einer lautstarken Klopfaktion Nachdruck. Die Beschäftigten machen klar: Wer dem Fachkräftemangel begegnen will, muss die Arbeitsbedingungen verbessern.

Die Verhandlungen über die Gesamtarbeitsverträge (GAV) des Schreiner- sowie des Holzbaugewerbes haben begonnen. Trotz voller Auftragsbücher und anhaltendem Fachkräftemangel zeigen sich die Arbeitgeber bislang wenig bereit, auf die zentralen Forderungen der Beschäftigten einzugehen. Um Fachkräfte in der Branche zu halten und jungen Berufsleuten langfristige Perspektiven zu bieten, braucht es attraktive Arbeitsbedingungen und zeitgemässe Gesamtarbeitsverträge.

«Im Holzbau arbeiten wir jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr zu viel – bis zur Pensionierung, die viel zu spät kommt. Und das alles für zu wenig Geld, obwohl der Holzbau lukrativ und eine der Boom-Branchen auf dem Bau ist. Genau deshalb überlegen sich viele Kolleginnen und Kollegen, der Branche den Rücken zu kehren. Nicht der Beruf ist das Problem, sondern die Arbeitsbedingungen», unterstreicht Alvaro Acuña, Zimmermann.

Fast jede zweite Person denkt an einen Branchenwechsel

Wie dringend Verbesserungen notwendig sind, zeigt eine Umfrage der Unia unter Schreiner:innen und Zimmerleuten. Mehr als 45 Prozent der Befragten gaben an, bereits einen Branchenwechsel in Betracht gezogen zu haben.

Als wichtigste Gründe nennen die Beschäftigten den ungenügenden Lohn, die hohe körperliche Belastung und den zunehmenden Zeit- und Termindruck. Viele bemängeln zudem lange Arbeitszeiten, die wenig Raum für Erholung, Familie und Privatleben lassen. Hinzu kommt eine mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit in den Betrieben. Diese Faktoren beeinträchtigen die Attraktivität der Branchen und verschärfen den Fachkräftemangel zusätzlich.

«Jeden Tag verlassen sich die Arbeitgeber auf unsere Zuverlässigkeit, unsere Kompetenzen, unser Engagement und unsere Professionalität. Das hohe Arbeitstempo, der Stress und das Heben viel zu schwerer Lasten gehören zu unserem Alltag und zehren auf Dauer an unserer Gesundheit. Aber die Löhne halten nicht mit der Teuerung mit. Wollen die Arbeitgeber, dass wir Schreiner:innen in der Branche bleiben, brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn», erklärt Giampiero Rigozzi, Schreiner.

Beschäftigte verlangen konkrete Verbesserungen

Für die Beschäftigten beider Branchen steht fest: Die Arbeitsbedingungen müssen spürbar verbessert werden. Sie fordern:

  • Mehr Lohn für alle
  • Mehr Ferien
  • Kürzere Arbeitszeiten, beispielsweise in Form einer Viertagewoche
  • Einen besseren Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende

Die Zimmerleute fordern zudem die Abschaffung der Karenztage bei Krankheit. Die Schreiner:innen fordern für Lernende zusätzlich acht Wochen Ferien und attraktivere Mindestlöhne.

Mindestlöhne im Holzbau steigen um 2%, Effektivlöhne im Schreinergewerbe um 50 Franken

Die Resultate der diesjährigen Lohnverhandlungen wurden von den beiden Branchen; weder Zimmerleute noch Schreiner:innen sind damit ganz zufrieden. 

Im Holzbaugewerbe werden die Mindestlöhne in den ersten zehn Berufsjahren zwar um 2 Prozent erhöht, was positiv ist. Aber langjährige und erfahrene Berufsleute profitieren nur indirekt und auf individueller Basis. Darum fordern die Zimmerleute auch bessere Löhne für Berufskolleg:innen mit mehr als zehn Erfahrungsjahren. 

Im Schreinergewerbe einigten sich die Unia und die Arbeitgeber auf eine Erhöhung der effektiven Löhne um 50 Franken pro Monat. Das gilt jedoch nicht für Löhne, die mehr als 23 Prozent über der höchsten Mindestlohnstufe liegen.

Bei einem Medianlohn von 6100 Franken entspricht die Lohnerhöhung 0,8 Prozent und gleicht damit die Teuerung dieses Jahres nur knapp aus. Wegen des Deckels erhalten vor allem Jüngere mehr Lohn. Die Unia-Mitglieder kritisierten darum auch hier, dass langjährige und erfahrene Berufsleute das Nachsehen haben.

Arbeitgeber müssen nun in den GAV-Verhandlungen liefern

Für die Beschäftigten sind die Lohnabschlüsse nur ein Teil der Lösung. Die Umfrage zeigt klar, dass viele Fachkräfte die Branche nicht nur wegen der Löhne, sondern auch wegen hoher Belastungen, langer Arbeitszeiten und fehlender Wertschätzung verlassen wollen.

Mit ihrer Aktion auf der Reussbrücke haben die Schreiner:innen und Zimmerleute deshalb ein deutliches Signal an die Arbeitgeber gesendet: In den laufenden GAV-Verhandlungen erwarten sie konkrete Fortschritte bei Arbeitszeit, Ferien, Gesundheitsschutz und Löhnen.

Wer den Fachkräftemangel wirksam bekämpfen will, muss die Arbeitsbedingungen verbessern. Nun sind die Arbeitgeberverbände gefordert, den Beschäftigten in den Verhandlungen entgegenzukommen.