Just Eat will illegales Uber-Modell kopieren

Der Essenslieferungs- und Kurierdienst Just Eat hat angekündigt, in Zukunft auf «selbständige» Kurier:innen zu setzen. Er kopiert damit das Modell von Uber Eats, das mit illegalen Methoden einen harten Konkurrenzkampf in der Branche ausgelöst hat. Die Gewerkschaft Unia fordert Just Eat auf, sich an das Gesetz und den geltenden Gesamtarbeitsvertrag zu halten und auf den Einsatz von scheinselbständigen Beschäftigten zu verzichten.

Die Ankündigung von Just Eat bestätigt die Befürchtung, die die Gewerkschaft Unia seit Jahren äussert: Das illegale Schwarzarbeits-Modell von Uber Eats wird von anderen Akteuren kopiert, weil es von den Behörden toleriert wird. Sie setzen zunehmend auf die Ausbeutung scheinselbständiger Kurier:innen. Es ist offensichtlich, dass auch die Just-Eat-Kurier:innen keine echten Selbständigen sind, sondern in abhängiger Stellung arbeiten und in die Arbeitsorganisation des Unternehmens fest eingebunden sind.

Unlautere Konkurrenz durch das Uber-Modell

Zur Erinnerung: Im Fall Uber Eats hat das Bundesgericht bereits 2022 entschieden, dass die Kurier:innen als Angestellte gelten. Uber Eats muss daher sämtliche Arbeitgeberpflichten wahrnehmen, korrekte Löhne und Spesen bezahlen und die Beschäftigten bei den Sozialversicherungen anmelden. Nur: Uber Eats ignoriert all dies und setzt konsequent auf Schwarzarbeit. Die Kurier:innen werden gezwungen, ohne Sozialversicherungsschutz zu Dumpinglöhnen zu arbeiten. Genau dieses illegale Modell will Just Eat nun kopieren.

Just Eat setzt bereits heute auf prekäre Arbeit

Damit wird die Situation für die Kurier:innen noch schlimmer. Bei Just Eat herrschen bereits heute zunehmend prekäre Bedingungen: Wer nicht Vollzeit arbeitet, wird grundsätzlich nur über Temporärbüros angestellt. Einen grossen Teil seiner Aufträge lagert Just Eat zudem an Subunternehmen aus, wo Kurier:innen schon jetzt ähnlich dem Modell von Uber Eats auftragsbasiert zu absoluten Dumpinglöhnen tätig sind. In letzter Zeit hat Just Eat in mehreren Städten die sogenannten Rider Hubs (Aufenthaltsorte für Kurier:innen) abgeschafft, stellt seinen Beschäftigten keine Fahrräder mehr zur Verfügung und ersetzt HR-Aufgaben durch Chatbots.

Dass Just Eat jetzt weitere Verantwortung abwälzen und seine Beschäftigten als «Selbständige» behandeln will, verschärft die Lage für die Kurier:innen weiter. Wie bei Uber Eats werden die AHV-Ausgleichskassen und Gerichte diese «Selbständigkeit» kaum anerkennen, da die Kurier:innen weiterhin im Namen von Just Eat auftreten, keinen eigenen Kundenstamm unterhalten können, in die Arbeitsorganisation von Just Eat eingebunden sind und Weisungen vom Unternehmen entgegennehmen. Die Gewerkschaft Unia fordert von Just Eat den Verzicht auf diesen Irrweg und die Einhaltung der Gesetze und des für Foodkurier:innen geltenden Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV).

Migros darf nicht Hand zur Prekarisierung bieten

Erst kürzlich hat der Schweiz-CEO von Just Eat bekanntgeben, dass das Unternehmen die bestehende Kooperation mit der Migros ausbauen und zusätzliche Migros-Produkte ins Liefersortiment aufnehmen wird. Die Migros hat eine Verantwortung, bei der Wahl ihrer Kooperationspartner darauf zu achten, keine Dumping-Modelle zu fördern.