Wiederholt greift eine Parlamentsmehrheit den Schutz der Arbeitnehmenden im Arbeitsgesetz an. Die Beschlüsse der Wirtschaftskommission des Ständerats zeigen das gleiche Bild: Deregulierung der Schutzbestimmungen bei den Arbeitszeiten (Vorlage Burkart und Vorstoss Grossen) und die Ausweitung der Sonntagsverkäufe auf 12 bewilligungsfreie Sonntage.
Am 1. Dezember 1996 war die weitgehende Deregulierung des Arbeitsgesetzes mit 67 % Nein-Stimmen äusserst deutlich abgelehnt worden, welches u.a. sechs bewilligungsfreie Sonntage im Jahr vorsah. Da der arbeitsfreie Sonntag bei der Bevölkerung stark verankert war, konzentrierten sich die Liberalisierungsturbos in den folgenden Jahren auf Teilliberalisierungen. Jene bei den Bahnhöfen wurde 2005 mit einem Unterschied von nur 0,6 Prozentpunkten vom Volk äusserst knapp angenommen, jene für Tankstellenshops im Jahr 2013 mit 55,8 Prozent der Stimmen auch nur knapp.
Die Beratung rund um die Verdreifachung der Sonntagsverkäufe auf 12 bewilligungsfreie Sonntage (Standesinitiative Kanton Zürich) und diverse Abstimmungen in den Kantonen zeigen, dass sich die gesellschaftliche und politische Situation geändert hat. Statt Stress und 24-Stunden-Gesellschaft wird wieder der Schutz der Gesundheit der Beschäftigten zum Thema.
«Der breite Widerstand der Verkäufer:innen lohnt sich. Die Verkäufer:innen zeigen mit ihren zahlreichen Aktionen, dass ihre Gesundheit wichtig ist. Gemeinsam wehren wir uns auch gegen Angriffe auf das Arbeitsgesetz wehren. Der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden muss verbessert und nicht aufgeweicht werden» fordert Vania Alleva, Präsidentin der Unia.
Das Nichteintreten des Ständerates auf die Ausweitung der Sonntagsarbeit am 9. Juni 2026 und die äusserst knappe Zustimmung im Nationalrat am 2.10.2026 (97:94 bei 4 Enthaltungen) zeigen deutlich, wie umstritten die Ausweitung ist. Nun ist es am Ständerat in der Wintersession der andauernden Zwängerei ein Ende zu setzen und das Geschäft endgültig zu begraben. Anderenfalls wird die Gewerkschaft Unia zusammen mit einer breiten Allianz mit einem Referendum eine erneute Volksabstimmung zum Thema Sonntagsarbeit einleiten.
Sowohl die Vorlage Burkart wie auch die Motion Grossen schwächen im Kern den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden. Angesichts von zunehmenden psychischen und physischen Erkrankungen sind weitere Aufweichungen bei den Arbeits- und Ruhezeiten tabu. Die Gewerkschaft Unia wehrt sich dezidiert gegen jegliche Verschlechterungen des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmenden.
Gewerkschaft Unia 2026