Der Nationalrat hat heute der Gesetzesänderung zur Verdreifachung der Sonntagsverkäufe zugestimmt. Die Gesetzesrevision geht auf eine Standesinitiative des Zürcher Kantonsrats zurück. Im Nachgang der Corona-Pandemie versuchen bürgerliche Politiker:innen die Ladenöffnungszeiten im Detailhandel auf Kosten der Arbeitnehmenden auszuweiten. Sie fordern, die bewilligungsfreien Sonntagsverkäufe von vier auf zwölf pro Jahr zu erhöhen.
Die Stimmbevölkerung hat in den letzten 20 Jahren in knapp zwei Dritteln aller Abstimmungen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten abgelehnt. Das zeigen die Auswertungen der Unia.
Das Gesetz zielt somit nicht nur an den Interessen der Beschäftigten, sondern auch an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei. Zudem schöpft eine Mehrheit der Kantone die heute möglichen vier Sonntage gar nicht aus.
«Das Parlament hat heute die Anliegen der Verkäufer:innen ignoriert, und damit deutlich gemacht, dass der Schutz der Arbeitnehmenden für die Mehrheit keine Priorität hat. Wer die Sonntagsarbeit ständig ausweiten will, missachtet den Gesundheitsschutz und den klar geäusserten Willen der Bevölkerung», sagt Leena Schmitter, Co-Leiterin Sektor Tertiär, Unia.
Der Entscheid ignoriert die Folgen von mehr Sonntagsarbeit. Weniger Zeit für Erholung, Familie und Hobbys, erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen, Gelenk- und Rückenschmerzen sowie Schlafstörungen und Depressionen, das sind die konkreten Folgen für die Betroffenen. Und dies, obwohl die Arbeitszeiten im Detailhandel bereits heute sehr lang sind und die Arbeitsbelastung sehr hoch ist.
Betroffen wären aber nicht nur Verkäufer:innen, sondern auch Beschäftigte in der Reinigung und in der Logistik. Für sie wäre die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erschwert: Familienfeste müssten ohne sie stattfinden, die Mitarbeit im Verein oder in einer Partei wird stark eingeschränkt
Der Nutzen für die Wirtschaft hingegen ist gering: Studien zeigen, dass zusätzliche Öffnungszeiten kaum Mehrumsatz bringen, sondern dass sich die Umsätze verteilen. Dadurch lohnt es sich nicht, mehr Personal einzustellen. Gleichzeitig steigt der der Druck aufs Personal noch weiter.
Dieser Angriff auf die Sonntagsarbeit reiht sich in eine Welle weiterer Angriffe auf die Arbeitsbedingungen in der Schweiz ein. So berät das Parlament die Motion Burkart, eine Gesetzesänderung, welche die Telearbeit massiv liberalisieren will. Die Vorlage würde die Schutzbestimmungen zu Arbeits- und Ruhezeiten massiv schwächen. In der Praxis drohen deutlich längere Arbeitstage sowie eine Ausweitung von Nacht- und Sonntagsarbeit.
Der Nationalrat nimmt eine massive Ausweitung der Sonntagsarbeit in Kauf. Für die Beschäftigten im Verkauf ist es klar: Sie wollen ihren freien Sonntag verteidigen. Versäumt es das Parlament diesen Fehlentscheid des Nationalrats zu korrigieren, so will die Unia, gemeinsam mit den Beschäftigten und Verbündeten, das Referendum dagegen ergreifen.
Gewerkschaft Unia 2026