Verkäufer:innen verlangen vom Parlament: Nein zu noch mehr Sonntagsarbeit

Rund 60 Verkäufer:innen haben heute an der Branchenkonferenz Detailhandel der Gewerkschaft Unia die Pläne des Parlaments kritisiert, die bewilligungsfreien Sonntagsverkäufe von vier auf zwölf pro Jahr auszuweiten. Die Teilnehmenden warnen vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin hohen Belastung im Verkauf und fordern mehr Gesundheitsschutz statt einer Schwächung des Arbeitsgesetzes.

Die parlamentarische Vorlage geht auf eine Ständeinitiative des Kantons Zürich zurück. Sie sieht vor, die Zahl der bewilligungsfreien Sonntagsverkäufe zu verdreifachen.

Das kommt einer massiven Aufweichung des Arbeitsgesetzes gleich, obwohl es eigentlich den Schutz der Arbeitnehmenden gewährleisten soll und Sonntagsarbeit grundsätzlich verbietet.

Internationale Erfahrung bestätigen den Widerstand gegen Sonntagsarbeit

Mersiha Beširović von der Gewerkschaft für den Detailhandel und den Dienstleistungssektor (STBIH) war Gast an der Konferenz. Sie berichtete davon, wie sie den arbeitsfreien Sonntag für das Verkaufspersonal in Bosnien und Herzegowina erkämpft hatten. Ein grosser Erfolg, denn bis Ende 2024 waren alle Läden sieben Tage die Woche geöffnet. 

«Gemäss unserer Umfrage wünschten sich 97,5 Prozent des Verkaufspersonals einen arbeitsfreien Sonntag. Durch das Verbot der Arbeit an Sonn- und Feiertagen können sich nun 90 Prozent der Detailhandelsangestellten an Sonn- und Feiertagen erholen und die freie Zeit mit ihren Familie verbringen» erklärt Mersiha Beširović, Gewerkschafterin der STBIH.

Arbeitsmedizinische Risiken sind belegt

Arbeitsmediziner:innen warnten bereits letztes Jahr in einer Studie davor, dass vermehrte Sonntagsarbeit die Gesundheit massiv beeinträchtigt. Die Folgen sind insbesondere psychische Krankheiten, sowie Rücken- und Gelenkschäden. Zudem geht wertvolle Erholungszeit für Familie und soziales Leben verloren.

Politische Angriffe Arbeitnehmerschutz nehmen zu

Die Ausweitung der Sonntagsarbeit reiht sich ein in eine Serie politischer Angriffe auf den Schutz der Arbeitnehmenden. Geplant sind unter anderem eine Erhöhung der täglichen Höchstarbeitszeit bei Telearbeit auf 17 Stunden sowie Bestrebungen, kantonale Mindestlöhne auszuhebeln. Das bürgerlich dominierte Parlament betreibt eine Abbaupolitik zulasten der arbeitenden Bevölkerung.

Ständerat steht in der Verantwortung

In der kommenden Sommersession kann der Ständerat die Vorlage noch stoppen. Die Teilnehmenden der Branchenkonferenz rufen die Ständerät:innen ihrer Kantone im Rahmen einer Postkartenaktion dazu auf, die Anliegen des Verkaufspersonals erst zu nehmen und die weitere Schwächung des Arbeitsgesetzes abzulehnen.