Mit ihrer extremen und brandgefährlichen Initiative, über die wir am 14. Juni abstimmen, würde die SVP die Schweiz ins Chaos stürzen. Eine Annahme würde direkt zur Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU führen. Damit würden tausende von Arbeitsplätzen in der Exportwirtschaft vernichtet. Zudem bedroht die Initiative die Rechte der Arbeitnehmenden und würde neue Diskriminierungen schaffen.
Diesen Angriffen von rechts setzen wir unser Engagement für starke Rechte, sichere Arbeitsplätze und gute Löhne für alle entgegen. Am Tag der Arbeit gehen deshalb in der ganzen Schweiz Zehntausende auf die Strasse und nehmen unter dem Motto «Jobs und Löhne verteidigen – nein zur Abschottung» an den 1. Mai-Veranstaltungen teil. Die Unia als grösste Gewerkschaft ist mit ihren Mitgliedern im ganzen Land präsent.
An ihrer 1. Mai-Rede in Aarau setzt Unia-Präsidentin Vania Alleva bei den Problemen an, mit denen die Arbeitnehmenden in der Schweiz konfrontiert sind: steigende Mieten und Krankenkassenprämien, Stress und Druck am Arbeitsplatz und doch immer weniger Geld im Portemonnaie. «Zusätzlich greifen die rechten und bürgerlichen Parteien die Rechte der Arbeitnehmenden systematisch an: Sie wollen die ohnehin oft schon langen Arbeitstage auf bis zu 17 Stunden ausweiten, das Sonntagsarbeitsverbot aushöhlen und kantonale Mindestlöhne aushebeln.»
Und mit ihrer «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative, die wir Chaos-Initiative nennen, bedroht die SVP unter dem verlogenen Deckmäntelchen die Rechte aller Arbeitnehmenden und löst damit kein einziges Problem. Im Gegenteil, die SVP will die Mindestlöhne senken und verhindert extra, dass die Mieter:innen entlastet werden. Und es kommt noch schlimmer: «Die Initiative will die Personenfreizügigkeit mit der EU abschaffen und damit das Recht, sich niederzulassen und ohne Diskriminierung zu arbeiten. Gleichzeitig würden auch die Flankierenden Massnahmen und damit der Schweizer Lohnschutz abgeschafft. Die Initiative würde die bilateralen Verträge beenden, die uns mit unseren Nachbarstaaten verbinden.»
Alleva weiter: «Mit dieser Initiative entlarvt die SVP einmal mehr ihr wahres Gesicht als Anti-Arbeitnehmenden-Partei, die nicht an Lösungen für die wirklich drängenden Probleme der Arbeitnehmenden interessiert ist. Seit Jahren verfolgt die SVP eine klare Agenda: die unbequemen Gewerkschaften schwächen. Denn diese sind mächtige Verhindererinnen der grenzenlosen Bereicherung und Abzockerei einiger weniger auf dem Buckel der Arbeitnehmenden.» Die Analyse ist klar: «Die Initiative ist ein Frontalangriff auf alle Arbeitnehmenden und den sozialen Frieden in unserem Land.»
Alleva: «Wir lassen uns nicht spalten. Wir tragen unseren Widerstand sichtbar, furchtlos und kämpferisch auf die Strasse: gegen die menschenverachtende Politik der SVP in der Schweiz und der Trumpisten und der Tech-Milliardäre weltweit. Gegen Angriffe auf unsere Rechte. Gegen jene, die Angst schüren, um Macht zu gewinnen. Wir kämpfen gemeinsam für eine demokratische, freie, friedliche Welt, die auf Menschen- und Arbeitsrechten basiert. Es darf keinen Platz geben für Angriffskriege, Repression, Autoritarismus, Diktaturen oder Ausbeutung. Wir solidarisieren uns mit Kolleg:innen weltweit, die ihre Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verteidigen.»
Auch Silvia Locatelli, in der Unia-Geschäftsleitung für die Industrie verantwortlich, betont in Delémont die fatalen Folgen, die eine Annahme der Chaos-Initiative hätte: «Diese Initiative öffnet Tür und Tor für Deregulierung und Lohn-Dumping. Wird sie mehr Arbeitsplätze schaffen? Ganz sicher nicht, wenn eine Branche wie die Industrie so stark vom europäischen und weltweiten Markt abhängig ist.»
Locatelli fragt weiter: «Hat die Initiative wirklich zum Ziel, die Zahl der Arbeitsmigrant:innen zu reduzieren? Nein! Unser Land kann ohne Migration nicht funktionieren. Deshalb zielt sie darauf ab, dass Arbeitgeber über ausländische Arbeitskräfte ohne oder mit möglichst wenigen Rechten verfügen, mit prekären Arbeitsverhältnissen, ohne Schutz durch die Flankierenden Massnahmen. Kurz: Wir kehren zurück in die Zeit der Saisonarbeiter und der Wildwest-Arbeitsbedingungen.»
Doch leider ist dieser Angriff, so Locatelli, nicht der einzige, der die Rechte der Arbeitnehmenden beschneiden will. «Das Parlament will die kantonalen Mindestlöhne, die insbesondere die tiefsten Einkommen schützen, schwächen. Es will die Läden neu an zwölf Sonntagen im Jahr öffnen, entgegen dem Volkswillen. Und das Parlament will, dass unter dem Stichwort ‹Änderung für die Telearbeit› für alle die Ruhezeiten verkürzt und gleichzeitig die Arbeitstage auf 17 Stunden verlängert werden können.»
Vor dem jurassischen Publikum betont sie auch die Wichtigkeit von verbindlichen Mindestlöhnen für alle, wie sie die kantonale Mindestlohn-Initiative fordert, für die zurzeit Unterschriften gesammelt werden. Denn: «Die Mindestlöhne in der Uhrenindustrie sind viel zu tief. Unternehmen, die keinen Gesamtarbeitsvertrag haben, betreiben Lohn-Dumping. Die Arbeitnehmer:innen im Jura dürfen nicht die prekarisierte ‹Manövriermasse› sein, die der Luxusindustrie dient», so Locatelli.
Bruna Campanello, die bei der Unia für den Gewerbesektor verantwortlich ist, fokussiert in ihrer Rede in Sitten ebenfalls auf die Chaos-Initiative der SVP, die die Initianten auch «Nachhaltigkeits-Initiative» nennen. «Diese Initiative hat nichts mit ‹Nachhaltigkeit› zu tun. Sie verfolgt ein einziges Ziel: die Einwanderung zu begrenzen, ungeachtet der Folgen.» Und weiter: «Anstatt die Ursachen anzugehen, wird ein Sündenbock präsentiert. Es wird behauptet, das ‹Boot sei voll›, wir müssten uns schützen. Aber vor wem? Vor denen, die arbeiten, vor denen, die den Reichtum der Schweiz geschaffen haben? Das ist doch eine verkehrte Welt!» Diese Initiative ist der falsche Weg, so Campanello. Sie bietet gar keine Lösungen. «Diese chaotische Initiative schützt niemanden ausser jene, die auf Kosten der Arbeitnehmenden Profit machen wollen, indem sie diese spalten. Das werden wir nicht zulassen!»
Campanello hebt ausserdem hervor, dass die Arbeitnehmenden nicht nur durch die Chaos-Initiative, sondern generell einem koordinierten Angriff ausgesetzt sind: Druck auf die Löhne, zunehmende Flexibilisierung auf ihre Kosten, tiefere Renten und schlechtere soziale Absicherung. Mit Blick auf das Wallis, wo Campanello heute zu Gast ist, erwähnt sie die Blockade einiger Walliser Arbeitgeberverbände, die bei den Lohnverhandlungen im letzten Herbst jegliche Erhöhung der Löhne ablehnten und die Verhandlungen abbrachen. «Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber euch allen. Mit dem Ziel, Angst zu schüren und eure Solidarität sowie unser gewerkschaftliches Engagement anzugreifen!» Campanello bilanziert, dass es nur gemeinsam möglich ist, Fortschritte zu erreichen.
Mit dem Scheinargument der «Nachhaltigkeit» betreibt die SVP einmal mehr eine radikale Kampagne – mit dem Ziel, die Löhne aller Arbeitnehmenden in der Schweiz zu drücken und Chaos zu verursachen. Darauf gibt es nur eine Antwort: Nein zur Chaos-Initiative am 14. Juni!
Gewerkschaft Unia 2026