Gerechte Löhne und besseres Gleichstellungsgesetz jetzt!

Im Industrie-Sektor beträgt die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männer je nach Branche fast 1700 Franken monatlich. Trotzdem greifen bürgerliche Politiker mit der Motion Schilliger die gesetzlichen Lohnanalysen an und wollen die Schichtzulagen von der Analyse ausnehmen. Nach einem Referat von alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga fordern die Teilnehmerinnen der heutigen Industrie-Frauenkonferenz der Unia die ständerätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-S), die sich in nächste Woche mit der Lohnanalyse in Industriebetrieben beschäftigen wird, auf, der Motion Schilliger eine Abfuhr zu erteilen.

Seit 2020 sind Unternehmen mit mehr 100 Angestellten gesetzlich verpflichtet, alle vier Jahre die Löhne in ihrem Betrieb auf Lohnungleichheit zu analysieren und ihre Aktionär:innen und Angestellten über das Resultat zu informieren. Kürzlich[CS2.1] zeigte ein vielbeachteter Bericht, dass längst nicht alle Arbeitgeber das Gesetz einhalten und das Gesetz dringend griffiger werden muss. Unzureichend ist, dass fehlbare Unternehmen straffrei bleiben und auch keine Massnahmen zum Erreichen der Lohngleichheit einleiten müssen.

«Gleichstellungsfragen haben es in der Schweiz sehr schwer. Freiwilligkeit genügt nicht, es braucht griffige Massnahmen», sagt alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga, die als Referentin bei der Konferenz auftrat. Sommaruga war massgeblich daran beteiligt, die Lohnanalysen im Gleichstellungsgesetz (GlG) zu verankern.

Lohndifferenz in der Schweiz mit 1453 Franken immer noch viel zu hoch

In der Schweizer Privatwirtschaft beträgt die erklärbare Lohndifferenz, die auf Faktoren wie berufliche Stellung, Ausbildung und Branche beruht, 17,5 Prozent. In Franken ausgedrückt: Frauen verdienen pro Monat 1453 Franken zu wenig – davon 653 Franken allein deswegen, weil sie Frauen sind.

Es besteht grosser Handlungsbedarf, damit der Verfassungsauftrag von 1981 zur Gleichheit von Mann und Frau endlich erreicht wird.

Lohnungleichheit auch in Industrie-Branchen ein drängendes Problem

Auch in den Branchen des Industrie-Sektors bestehen grosse Lohndifferenzen:

  • Uhrenindustrie: 1169 Franken
  • Chemie- und Pharmaindustrie: 600 Franken
  • Nahrungsmittel- und Tabakindustrie: 1119 Franken
  • Textilien- Bekleidungsindustrie: 1693 Franken
  • Maschinenbau- und Geräteindustrie: 1643 Franken

Parlamentarische Motion will Lohnanalysen schwächen

Anstatt die Lohnungleichheit wirksam zu bekämpfen, greifen die bürgerlichen und rechten Parlamentarier das Gleichstellungsgesetz (GlG) an. Die Motion von FDP-Nationalrat Peter Schilliger, die nächsten Freitag in der vorberatenden Kommission im Ständerat (WBK-S) besprochen wird, zielt darauf ab, die ohnehin beschränkten Instrumente der Lohnanalyse noch zu schwächen und unbrauchbar zu machen. Schichtzulagen sollen von der Lohnanalyse ausgenommen werden, sofern das Unternehmen eine dünne Erklärung dazu abgibt, dass es die Zulagen sowie die Pikettdienste geschlechtsneutral vergibt.

Schichtzulagen sind normaler Lohnbestandteil

Der Bundesrat hatte damals in seiner Antwort zur Motion unterstrichen: Schichtzulagen gehören zu den lohnrelevanten Bestandteilen und bergen ein erhebliches Diskriminierungspotenzial – etwa wenn sie Vollzeitangestellten vorbehalten oder in typischen Frauenberufen systematisch tiefer angesetzt sind.

Nähme man die Schichtzulagen jetzt aus der Lohnanalyse aus, verfälschte dies das Ergebnis und die Lohnanalyse gäbe keine zuverlässige Auskunft über die Lohngleichheit im Unternehmen. Im schlimmsten Fall würde das Resultat so geschönt.

Unia-Resolution fordert Kommission auf, Motion zu versenken

In einer Resolution forderten die Teilnehmerinnen der Industrie-Frauenkonferenz der Gewerkschaft Unia die Mitglieder WBK-S auf, der Motion nicht stattzugeben und sie abzulehnen.

«Anstatt ihre Energie darauf zu verschwenden, die Lohnanalysen in einen zahnlosen Tiger zu verwandeln, sollten die Politiker sich lieber für echte Gleichstellung einsetzen. Die Lohngleichheit ist ein Teil davon», erklärt Corinne Schärer, Leiterin des Sektors Industrie bei der Unia.