Am vergangenen Samstag trafen sich die Präsidenten der regionalen Baugruppen der Gewerkschaft Unia unter Einhaltung der Schutzmassnahmen zu ihrer vierteljährlichen Konferenz. Es sind alles aktive Bauarbeiter, die tagtäglich auf der Baustelle arbeiten. Ihre Bilanz zur aktuellen Covid-Situation auf dem Bau war erschütternd.
Die Arbeit auf vielen Baustellen läuft aktuell wie vor Covid-19. In der ersten Welle gab es eine erhöhte Sensibilität und spezifische Massnahmen, jetzt kaum mehr – trotz viel höherer Fallzahlen. Weder wird die Arbeitsweise so angepasst, dass das Social Distancing eingehalten werden kann, noch wird bei fehlender Distanz konsequent mit Masken gearbeitet. Ein guter Teil der sanitären Einrichtungen ist wieder auf einem bedenklichen Niveau, zum Teil fehlen fliessendes Wasser und insbesondere für Temporärbeschäftigte auch Schutzmaterial.
Zudem wären mehr Covid-Tests nötig: Wenn ein Bauarbeiter positiv ist, werden selbst bei den Kollegen, mit denen er nahe zusammengearbeitet hat, keine Tests durchgeführt. Und da Baufirmen zum Teil drohen, den Lohn während der Quarantäne nicht weiterzuzahlen, kommen Bauarbeiter auch mit Symptomen zur Arbeit. Am besten sieht die Situation noch aus bezüglich der Pausenräume. Hier berichtet eine Mehrheit der Baupräsidenten (aber nicht alle) von zusätzlichen Baracken und mehr Platz.
Von den 13 Baupräsidenten hat im Verlauf des letzten Monats gerade mal ein Baupräsident eine Kontrolle auf einer Baustelle erlebt. Diese wurde allerdings vorher angekündigt, so dass die Arbeit an diesem Tag – und nur an diesem Tag – anders organisiert und die sanitären Einrichtungen gereinigt wurden. Es ist kein Wunder, dass bei dieser (fehlenden) Kontrollintensität die Schutzmassnahmen nicht eingehalten werden. Dies wäre umso notweniger, weil viele Baustellen unter höchstem Termindruck arbeiten müssen. Bauherren verlangen trotz unverschuldeter Verzögerungen im Frühling und Sommer die Einhaltung der ursprünglichen Termine. Viele Baupräsidenten berichten von Überstunden, 12-Stunden-Tagen und daher auch fehlender Zeit für Schutzmassnahmen.
Wenn sich die Situation auf den Baustellen nicht rasch ändert, dürfte sich die Verbreitung des Virus auf den Baustellen kaum bremsen lassen. Die Baupräsidenten haben daher klare Forderungen:
Gewerkschaft Unia 2026