Zimmer Biomet: Milliarden für Aktionäre, Rausschmiss für die Beschäftigten

Das amerikanische Medizintechnik-Unternehmen Zimmer Biomet will 580 Arbeitsplätze in Winterthur abbauen. Von den heute rund 730 Beschäftigten würden damit die Allermeisten ihre Arbeit verlieren. Für die Unia ist klar: Es kann nicht sein, dass die Beschäftigten und Winterthur die Zeche für die Bereicherung anonymer Aktionäre eines globalen Konzerns bezahlen.

Die Nachricht ist für Winterthur und die Beschäftigten von Zimmer Biomet ein Schock: 580 Menschen sollen in den kommenden 2 Jahren ihren Arbeitsplatz verlieren. Viele von ihnen haben über Jahre oder Jahrzehnte für das amerikanische Unternehmen Zimmer Biomet gearbeitet, dessen Wurzeln in Winterthur bis in die Anfänge der Medizintechnik des Sulzer-Konzerns reichen. Während der grösste Teil der Arbeitsplätze ins billigere Ausland abwandert, soll in Winterthur gerade noch ein genug grosser Unternehmensrumpf verbleiben, dass Zimmer Biomet auch in Zukunft seine Produkte als «swiss made» auf dem Weltmarkt verkaufen kann.

Alles für die Aktionäre

Bereits in den vergangenen vier Jahren verfolgte Zimmer Biomet eine konsequente Strategie zur Wertsteigerung für die Aktionäre durch umfangreiche Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen. Seit 2022 hat das Unternehmen insgesamt fast drei Milliarden US-Dollar für Dividenden und Aktienrückkäufe aufgewendet – mehr als die kumulierten Gewinne im gleichen Zeitraum.

Doch trotz solcher Fehlallokationen von Mitteln, die besser in Mitarbeitende, Innovation, Produktionskapazitäten, medizinische Forschung oder Verbesserungen der Arbeitsbedingungen investiert hätten werden müssen, geht es dem Konzern heute blendend. Einzig die verheerende Zollpolitik des US-Präsidenten Trump könnte derzeit auf die Ertragslage des amerikanischen Konzerns drücken. Am Standort Winterthur und den dortigen Beschäftigten liegt es sicher nicht.

Beschäftigte zahlen die Zeche

Und doch stehen die Beschäftigten in Winterthur mit dem geplanten massiven Stellenabbau vor harten Realitäten: Sie müssen sich um ihre berufliche Zukunft, ihr Einkommen und die finanzielle Sicherheit ihrer Familien sorgen. «580 Stellen sind nicht einfach eine Zahl. Hinter jeder einzelnen Zahl steht ein Mensch. Ein Mensch, die oder der vielleicht seit Jahrzehnten bei Zimmer Biomet arbeitet, eine Familie ernährt und zur Entwicklung von Winterthur beiträgt. Es geht hier um Existenzen und Zukunft und nicht nur um globale Konzerngewinne», so Serge Gnos, Co-Regioleiter der Unia Zürich-Schaffhausen.

Die Unia ist am laufenden Konsultationsverfahren beteiligt. An allererster Stelle steht nun, dass sämtliche Möglichkeiten zum Erhalt von Arbeitsplätzen ausgeschöpft werden. Gefordert sind hier nicht nur das lokale Management sondern auch die Winterthurer und Kantonalzürcher Behörden. Der massive Stellenabbau bei einem traditionsreichen Industriebetrieb darf nicht einfach so hingenommen werden.

Ein schwerer Schlag für Winterthur

Der Stellenabbau bei Zimmer Biomet ist ein weiterer schwerer Schlag für den Industriestandort Winterthur. Erst kürzlich hatte Burckhardt Compression den Abbau von rund 150 Stellen angekündigt. Für die Unia zeigt sich damit eine bedenkliche Entwicklung: Gute, qualifizierte Industriearbeitsplätze geraten zunehmend unter Druck. Der Verlust dieser Arbeitsplätze bedeutet nicht nur für die direkt Betroffenen einen Einschnitt. Verloren gehen auch Know-how, Erfahrung und industrielle Wertschöpfung in der Region.

«Wir dürfen nicht einfach zuschauen, wie die industrielle Produktion im Kanton Zürich zusammenbricht. Es stellt sich heute und hier die Frage, wie die Industrie in Winterthur und im ganzen Kanton noch eine Zukunft haben kann und was die Behörden bereit sind, dafür zu tun», so Serge Gnos weiter. «Daran werden wir sie alle zusammen anlässlich der kommenden Wahlen im Frühjahr messen.»