Ich mache, was ich sage, und ich sage, was ich mache. Glaubwürdigkeit und Respekt sind meiner Meinung zentral, um wirksam zu führen. Ich kann zuhören, interessiere mich für die Menschen und will mit ihnen gemeinsam Ziele erreichen. Ich kann Fehler selber zugeben und auch Fehler akzeptieren. Viel wichtiger ist mir, ob die Mitarbeitenden und auch ich daraus lernen. Und ich weiss, dass ich eine Wahrnehmung habe und nicht die Wahrheit für mich gepachtet habe. Zudem hilft, dass ich meine Dossiers in der Regel gut kenne und auch bereit bin anzupacken.
Ich will nichts machen, was meine Mitarbeitenden selbst genauso gut oder noch besser machen können. Wenn ich über längere Zeit der Flaschenhals bin, dann stimmt die Organisationsstruktur nicht. Wir sind am wirksamsten und erfolgreichsten, wenn die Mitarbeitenden möglichst viel selbständig arbeiten und dann aber auch realisieren, wann sie in einer Frage oder in einer heiklen Situation Rücksprache nehmen müssen. Das ist anspruchsvoll, aber an diesen Punkt versuche ich zu kommen. Und wenn es mal schief geht, dann muss man hinstehen und Verantwortung übernehmen.
Vertrauen und zutrauen und gleichzeitig nah dran sein und mit anpacken, wenn Fehler passieren.
Nicht immer gleich. Wenn ich die Fakten für präzise und verlässlich halte, auch mal gegen den Bauch. Sonst eher mit dem Bauch.
Firmen investieren viel, um ihre Mitarbeitenden auf einen «Purpose» auszurichten. Das braucht die Unia nicht. Wer hier arbeitet, weiss in aller Regel wofür sie oder er es tut. Die Unia kann so eine unheimliche Kraft entwickeln – Mitglieder und Mitarbeitende gemeinsam. Aber der Grat zwischen brennen und verbrennen ist manchmal schmal. Auch das gehört zur Aufgabe einer Führungsperson: Hinzuschauen, dass die Mitarbeitenden sich selbst steuern können und das auch tun. Und aus Engagement leiten Mitarbeitende auch Ansprüche ab. Das kann bei internen Konflikten zu grossen Fallhöhen führen. Diese Herausforderungen kennen fast alle Organisationen mit stark intrinsisch motivierten Mitarbeitenden. Das macht Führung anspruchsvoll, aber auch interessant.
In aller Regel hat man es mit praktisch veranlagten Menschen zu tun. Neue Wohnungen, Spitäler oder Schulen: Man schafft etwas konkretes, was der ganzen Gesellschaft nützt.
Die Baubranche wird sich zukünftig mehr mit Themen wie Vereinbarkeit von Beruf und Familie und attraktive Arbeitszeitmodelle beschäftigen müssen. Wenn jemand neun Stunden auf der Baustelle arbeitet und dann zusätzlich noch zusätzlich zwei Stunden Reisezeit hat, dann hat er schlicht keine Chance seine Kinder in die Krippe zu bringen oder wieder dort abzuholen. Heute ist das System auf die produktiven Stunden auf der Baustelle optimiert.
Sie müssen die Bereitschaft haben, neue Wege zu gehen. Sonst wird die Branche Schwierigkeiten haben, die vielen Fachkräfte, die aus demographischen Gründen in den nächsten Jahren in Rente gehen, zu ersetzen.
Als Gewerkschaft vertreten wir die Interessen der Arbeitnehmenden gegenüber den Arbeitgebern. Darum sind Konflikte ein Teil der Arbeit. Nicht der Hauptteil, denn in vielen Bereichen – zum Beispiel, wenn es um die Durchsetzung von ausgehandelten Gesamtarbeitsverträgen geht - haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber die gleichen Interessen. Intern haben Konflikte meistens mit unterschiedlichen Erwartungen zu tun. Dann frage ich mich zuerst: Habe ich meine Erwartungen klar dargelegt. Wenn ja, kann auch ich einen Beitrag leisten, damit der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin - die ich bzw. die Organisation ja einmal angestellt hat - die Erwartungen erfüllen kann? Und wenn Unterstützungsmassnahmen nicht nützen, dann müssen beide Seiten auch Konsequenzen ziehen. Ich versuche klar in der Sache, aber menschlich und auch wohlwollend im Umgang zu sein.
Ich gehe regelmässig lange rennen. Am liebsten früh am Morgen, in der Dämmerung. Ohne Kopfhörer und einfach konzentriert darauf, was um mich herum geschieht. Oft komme ich zurück und habe während dem Rennen – ohne dass ich mir das vorgenommen habe – Probleme gelöst und Ideen entwickelt.
Dass ich nach 33 Jahren Gewerkschaftsarbeit immer noch so begeisterungsfähig bin und immer wieder neue Dinge lernen und verstehen will.
Ich brauche den Austausch mit Menschen. Auch in Führungsteams: Erfolge sind fast immer eine kollektive Leistung. Und die geben dann wieder Energie. Und ich brauche Abwechslung. Neue Fragestellungen, neue Themen, zwischendurch mich körperlich betätigen, draussen in der Natur. So geht es mir meist gut. Gleichzeitig weiss ich: Manchmal müde oder auch unzufrieden zu sein, gehört zum Leben. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann kann man mit herausfordernden Situationen besser umgehen.
Nico Lutz ist 55 Jahre alt und Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Unia. Nico Lutz leitet den Sektor Bau und ist unter anderem für die Verhandlungen über den Landesmantelvertrag im Bauhauptgewerbe verantwortlich.
1993 hat er begonnen für die damals neu gegründete Gewerkschaft Bau und Industrie zu arbeiten. Bei der Gründung der Unia 2004 leitete er die Abteilung Kommunikation und Kampagnen, seit 2012 ist er in der Geschäftsleitung.
Er wohnt in Bern, hat drei inzwischen erwachsene Kinder und arbeitete als die Kinder klein waren Teilzeit.
Gewerkschaft Unia 2026