Notstand Hitze auf dem Bau – jetzt braucht es Taten statt Worte!

Die zunehmend intensiven Hitzeperioden sind auf den Baustellen eine akute Gefahr. Eine Umfrage bei rund 1000 Bauarbeitern zeigt ein erschreckendes Ausmass an Verstössen gegen die Schutzmassnahmen. Zwar laufen seit längerer Zeit Diskussionen zwischen Behörden, Suva, Sozialpartnern und Politik über einen wirksameren Gesundheitsschutz bei Hitze. Jetzt braucht es Taten statt bloss Worte, um die Gesundheit der Bauarbeiter zu schützen.

Auf dem Bau ist extreme Hitze nicht nur belastend, sondern eine akute Gefahr für Gesundheit und Arbeitssicherheit der Bauarbeiter. Extreme Hitze kann zu Dehydrierung, Sonnenstich und Hitzeschlag führen. Auch steigt gemäss Suva das Unfallrisiko an Tagen mit über 30 Grad um satte sieben Prozent.

Umfrage zeigt: Schutzmassnahmen werden nicht umgesetzt

Der Arbeitgeber ist gemäss Arbeitsgesetz für den Gesundheitsschutz verantwortlich. Die Suva hat entsprechende Schutzvorkehrungen zur Arbeit bei Hitze erarbeitet.

Im Juli 2026 führte die Gewerkschaft Unia eine Umfrage bei rund 1000 Bauarbeitern aus den verschiedenen Landesteilen durch. Sie wurden befragt, inwiefern die von der Suva erarbeiteten Schutzvorkehrungen auf ihrer Baustelle eingehalten werden. 

Die Ergebnisse sind erschreckend:

  • 85 Prozent der Baustellen machen keine regelmässigen Kühlpausen ab 33 Grad, wie von der Suva vorgesehen – zwei Drittel machen diese sogar nie.
  • Nur jede dritte Baustelle verfügt über einen kühlen Pausenort.
  • Zwei Drittel der Bauarbeiter hatten keine Anpassung ihrer Arbeitszeiten. Selbst bei 39 Grad arbeiten die allermeisten den ganzen Tag.
  • 15 Prozent der Befragten sind am Arbeitsplatz bereits ohnmächtig geworden oder haben miterlebt, wie ein Kollege ihrer Equipe zusammengebrochen ist.

«Die Schutzvorkehrungen werden vielerorts nicht eingehalten. Gleichzeitig fehlt es an Kontrollen und Sanktionen. Wir haben es mit einem eigentlichen Vollzugsnotstand zu tun,» kommentiert Nico Lutz, Sektorleiter Bau der Unia.

Behörden, Suva, Sozialpartner und Politik stehen in der Verantwortung

Seit 2024 laufen Diskussionen zwischen Behörden, Suva, Sozialpartnern und Politik über eine Verbesserung der Schutzbestimmungen bei Hitze. Konsens besteht darin, dass die heutigen Schutzvorkehrungen nicht ausreichen und es klare und verbindliche Vorgaben braucht. Auch hat der Nationalrat bereits eine Motion angenommen, die Konventionalstrafen bei Terminverzug aussetzt, wenn Baufirmen aufgrund extremer Hitze die Arbeit unterbrechen. Der Vorstoss ist im Ständerat hängig.

Diese Entwicklungen gehen in die richtige Richtung. Es braucht aber mehr als nur Lippenbekenntnisse. Nötig sind klare und verbindliche Schutzvorgaben:

  • Verbindliche Verankerung der 33-Grad-Regel in der Bauarbeitenverordnung (BauAV): Schwere Arbeiten im Freien sind ab 33 Grad zu unterbrechen, ausser es sind pro Stunde 15 Minuten Pause an einem gekühlten Ort möglich.
  • Funktionierender Vollzug: Entweder kann die die Suva die Durchsetzung eines wirksamen Gesundheitsschutzes bei extremer Hitze sicherstellen oder eine andere Stelle muss mit den Kontrollen beauftragt werden.
  • Gesundheit vor Termin: Der Ständerat muss die bereits vom Nationalrat angenommene Motion zur Terminverschiebung endlich verabschieden.
  • Anpassung der Schlechtwetterentschädigung: Die für längere Ausfälle im Winter konzipierte Regelung ist für die zunehmend häufigen und kürzeren hitzebedingten Arbeitsausfälle nicht geeignet und muss an die heutige Realität angepasst werden.

Die Hitzewellen dieses Sommers sind ein Weckruf. Der Handlungsbedarf ist dringend. Die Gewerkschaft Unia ruft Behörden, Suva, Sozialpartner und Politik dazu auf, ihren Worten nun Taten folgen zu lassen. Das Leben der Menschen, die unser Land bauen, steht auf dem Spiel.