Neuer Landesmantelvertrag: Bauarbeiter stimmen Verhandlungsergebnis zu

Die delegierten Bauarbeiter der Gewerkschaften Unia und Syna haben an ihren Berufskonferenzen dem Verhandlungsergebnis für den neuen Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe (LMV) zugestimmt. Dieses konnte erst nach zehn intensiven Verhandlungsrunden und einem branchenweiten Arbeitskampf erreicht werden. Mit dem neuen LMV erzielen die Bauarbeiter mehrere lang verdiente Verbesserungen bei den Arbeitszeiten sowie eine Sicherung ihrer Kaufkraft.

Der Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe (LMV) regelt die Arbeitsbedingungen der rund 80’000 Bauarbeiter, die bei Hitze, Regen und Kälte die Schweiz bauen. Der Gesamtarbeitsvertrag lief Ende 2025 aus und musste daher neu verhandelt werden. Für die Bauarbeiter standen Lösungen für die hohe Belastung durch überlange Arbeits- und Reisezeiten sowie die Sicherung der Kaufkraft im Zentrum.

Einigung in letzter Minute nach landesweiter Bewegung der Bauleute

Erst nach zehn Verhandlungsrunden, einem grossen Demonstrationstag der Bauarbeiter im Frühling und einer eindrücklichen Protestwelle im Herbst, an der über 15’000 Bauleute die Arbeit niederlegten, kam es zu einer Einigung. Bis zur letzten Minute war unklar, ob vor Auslaufen des Vertrags eine Verhandlungslösung gelingt. Nachdem beide Seiten aufeinander zugegangen waren und insbesondere nachdem Lösungen zur Verbesserung der Arbeitszeiten sowie zur Sicherung der Kaufkraft erreicht werden konnten, gelang am 12. Dezember der Vertragsabschluss.

Verbesserte Arbeits- und Reisezeiten sowie Kaufkraftsicherung

Mit der erzielten Einigung wird ein vertragsloser Zustand auf dem Bau – und damit ausuferndes Lohndumping – verhindert. Ohne neuen Vertrag hätte es seit Jahresbeginn keine Mindeststandards mehr gegeben im Bauhauptgewerbe.

Vor allem bringt der neue LMV aber zentrale Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen der Bauarbeiter. Die wichtigsten davon:

  • Abschaffung der unbezahlten Reisezeit zur Baustelle: Die Reisezeit wird ab der ersten Minute gerechnet und zählt ab einem gewissen Umfang zur Arbeitszeit. Damit wird der Schutz vor überlangen Reisezeiten für die Bauleute gestärkt.
  • Neu erhalten alle Bauarbeiter eine tägliche Baustellenzulage von 9 Franken. Sie gilt als Beitrag für die Pausenverpflegung sowie als Pauschale für einen Teil der Reisezeit. Diese Zulage wird stufenweise eingeführt.
  • Bauarbeiter können künftig über die Hälfte ihrer Ende Jahr verbleibenden Überstunden selbst entscheiden: ob diese mit Zuschlag ausbezahlt, ins neue Jahr mitgenommen oder auf ein neues Langzeitferienkonto kommen, um zusätzliche Ferien für einen längeren Urlaub oder ein sonstiges Privatprojekt anzusparen.
  • Die Tunnel- und Infrastrukturbauer im Untertagbau erhalten substanzielle Erhöhungen der Lohnzuschläge.
  • Sicherung der Kaufkraft: Im neuen Vertrag ist ein neuer Mechanismus verankert, der eine automatische jährliche Lohnerhöhung in Abhängigkeit von der Teuerung vorsieht.

Mit diesen Verbesserungen gewinnt die Baubranche an Attraktivität – ein entscheidender Beitrag zur Bekämpfung des akuten Fachkräftemangels. Der neue Vertrag hat eine Laufdauer von sechs Jahren, von Anfang 2026 bis Ende 2031.

Bauarbeiter stimmen Verhandlungsergebnis nach intensiver Debatte zu

Nach der Einigung am Verhandlungstisch wurde das Verhandlungsergebnis den zuständigen Basisgremien zur Ratifizierung vorgelegt. An den beiden Berufskonferenzen der Gewerkschaften Unia und Syna diskutierten die Bauarbeiter intensiv über das Resultat. Die erzielten Verbesserungen wurden breit begrüsst, gleichzeitig kritisierten mehrere Bauarbeiter die lange Laufzeit des Vertrags. Zudem wurden Fragen zum Vollzug der neuen Arbeitszeiten gestellt. Verschiedene Redner erinnerten zudem daran, dass Lösungen für die Arbeit bei extremer Hitze und Schlechtwetter sowie zur wirksameren Durchsetzung des LMV weiterhin notwendig bleiben.

Schliesslich stimmte eine klare Mehrheit der Unia- sowie Syna-Delegierten für eine Annahme des Verhandlungsergebnisses. Die Bauarbeiter sind stolz auf die Errungenschaften, welche sie dank einer landesweiten Bewegung auf den Baustellen und auf der Strasse erreicht haben.  

Da die Delegiertenversammlung des Baumeisterverbands das Resultat bereits im Dezember angenommen hatte, tritt der neue Landesmantelvertrag mit der heutigen Zustimmung der Bauarbeiter nun definitiv in Kraft. Die Vertragspartner arbeiten mit Hochdruck daran, die Allgemeinverbindlichkeit des neuen Vertrags beim Bundesrat zu beantragen. Ab dann gelten die Verbesserungen für sämtliche Firmen des Bauhauptgewerbes.