Die Klimafonds-Initiative verlangt, dass der Bund zwischen 0,5 und 1 Prozent des BIP in den Klimaschutz investiert. Das sind 4 bis 8 Milliarden Franken pro Jahr, die in die lokale Wirtschaft, die Ausbildung und die berufliche Weiterbildung fliessen würden.
Unsere Eltern und Grosseltern haben gezeigt, wie grosse Herausforderungen gelöst werden. Als Antwort auf die Altersarmut haben sie die solidarisch finanzierte AHV gegründet. Damit alle von A nach B kommen, haben sie das Bahnnetz ausgebaut und die SBB geschaffen. Und damit die Schweiz mit einheimischem erneuerbarem Strom versorgt werden kann, haben sie schon früh Staumauern und das Stromnetz gebaut.
Genauso ist es mit der Klimawende: Sie kann nur gemeinschaftlich und demokratisch erfolgreich realisiert werden. Deshalb braucht es ein breit angelegtes öffentliches Investitionsprogramm: den Klimafonds.
Heute sind die reichsten 10 Prozent für die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig trifft die Klimaerhitzung den weniger wohlhabenden Teil der Bevölkerung viel stärker, auch in der Schweiz. Denn es sind zumeist eher schlecht bezahlte Arbeitnehmende, die im Beruf immer höheren Temperaturen und zunehmenden Naturgefahren ausgesetzt sind.
Als Gewerkschaft vertreten wir die arbeitende Bevölkerung. Viele unserer Mitglieder sind von der sich zuspitzenden Klimakrise an vorderster Front betroffen, zum Beispiel auf den Baustellen, im Gartenbau, in der Sicherheit oder in der Sommergastronomie. Das Unfallrisiko und auch die Risiken für Herz-Kreislauf- und Hautkrebserkrankungen steigen für die Betroffenen.
Der wichtigste Schlüssel zum besseren Schutz der Arbeitenden – überhaupt der Menschen – ist die Abbremsung der Klimaerhitzung. Wenn wir diese Herausforderung richtig anpacken, birgt sie auch grosse Chancen: Eine gute Klimapolitik stärkt die lokale Wirtschaft, ermöglicht Innovationen und schafft gute Jobs in zukunftsträchtigen Branchen.
Die Unia kämpft seit Jahren für einen ökologischen Werkplatz Schweiz. Damit die Industrie das Netto-Null-Emissionsziel erreichen kann, braucht es zwingend Anpassungen und eine neue Energieinfrastruktur. Elektrifizierung, Gebäudeisolation, Ersatz von Heizsystemen usw. schaffen viel Arbeit. Der Klimafonds ermöglicht in diesem Bereich wichtige Investitionen. Diese fliessen in die lokale Wirtschaft und schaffen neue, qualitativ hochstehende Arbeitsplätze.
Die Beschäftigten stehen im Zentrum des Strukturwandels. Dies aber nicht nur als Betroffene, sondern ebenso als Gestalter:innen der nötigen Transformation. Sie, die Beschäftigten, sind die Expert:innen für die nötigen Innovationen, sie verfügen über die Kenntnisse und Fähigkeiten zur Entwicklung neuer Technologien und zur Umsetzung klimaverträglicher Geschäftsstrategien.
Die Klimafonds-Initiative sieht Beiträge an Aus- und Weiterbildungen sowie Umschulungen vor. Damit könnten die notwendigen Fachkräfte gewonnen werden. Davon würden auch all jene Arbeitnehmenden profitieren, die von Arbeitslosigkeit oder Dequalifizierung bedroht sind und eine neue berufliche Perspektive brauchen. Das Aus- und Weiterbildungssystem in der Schweiz ist für Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren oder weiterqualifizieren wollen, derzeit wenig unterstützend.
Die Initiative verbindet hier einen echten sozialen Fortschritt mit dem dringend nötigen Klimaschutz.
Mit der Klimafonds-Initiative lösen wir dringend notwendige Investitionen der öffentlichen Hand und von Privaten in den Klimaschutz aus, aber explizit ohne die Kaufkraft der Arbeitnehmenden zusätzlich zu belasten. Denn im Initiativtext ist unmissverständlich die «sozial gerechte Finanzierung und Umsetzung der Massnahmen» festgehalten. Das stellt sicher, dass die Mittel im Klimafonds nicht etwa aus Kopfsteuern oder der CO2-Abgabe finanziert werden.
Dass Mittel mobilisierbar sind, haben jüngst die Zusagen von Schweizer Firmen gegenüber der Trump-Administration im Rahmen des «Zoll-Deals» gezeigt: über fünf Jahre wollen sie 200 Milliarden US-Dollar (160 Milliarden Franken) in den USA investieren – mit derselben Summe liesse sich ein Klimafonds 20 bis 40 Jahre finanzieren! Es ist jetzt Zeit für einen «Boost» für den Klimaschutz und für die inländische Wirtschaft.
Aus diesen Gründen sagt die Unia aus voller Überzeugung JA zum Klimafonds. Denn der Klimafonds ist nicht nur gerecht finanziert, er schafft auch mehr Gerechtigkeit.
Gewerkschaft Unia 2026