Extreme SVP-Initiative
Wir arbeiten heute in der Pflege, in Dienstleistungsberufen, im Gastgewerbe, auf den Baustellen oder in der Industrie. Tag fĂĽr Tag leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand der Schweiz. Viele von uns sind heute eingebĂĽrgerte Schweizerinnen und Schweizer.
Als Kinder oder Familienangehörige von Saisonniers haben wir in unseren Familien hautnah erlebt, was das frühere Saisonnierstatut bedeutete – welches bis zur Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 galt.
Zwischen 1931 und 2002 wurden Arbeitskräfte aus dem Ausland als sogenannte Saisonniers in die Schweiz geholt: befristet, abhängig und ohne echte Rechte. Sie durften maximal neun Monate pro Jahr arbeiten – vor allem im Bau, in der Gastronomie und in der Landwirtschaft. Ein Stellen‑ oder Kantonswechsel war verboten, und ein Recht auf Familie existierte praktisch nicht.
Unsere Eltern waren gezwungen, ihre Kinder zu verlassen. Viele von uns wuchsen bei Grosseltern oder Verwandten auf. Über viele Monate getrennt von unseren Eltern. Unsere Eltern hatten keine andere Wahl. Es war für sie und für uns oft schlimm. Viele von uns tragen heute noch Narben von dieser Zeit. Und wenn wir in der Schweiz lebten, waren wir in Wohnungen - manchmal sogar in Schränken - versteckt. Weil wir eigentlich nicht da sein durften.
Unzählige Lebensgeschichten erzählen von verweigerter Würde, von Angst, von entwürdigender Behandlung. Unsere Eltern und wir wurden wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Erst mit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 endete dieses dunkle Kapitel.
Heute droht eine Rückkehr in genau diese rechtlose Zeit. Unter dem Deckmantel der Initiative «Keine 10‑Millionen‑Schweiz» will die SVP zentrale Rechte von Arbeitskräften abbauen – und will dabei skandalöserweise die Rückkehr des Saisonnierstatuts mit rechtlosen Arbeiterinnen und Arbeitern.
Wir wissen aus eigener Erfahrung, welche sozialen, persönlichen und gesellschaftlichen Wunden das alte Saisonnierstatut hinterlassen hat.
Gewerkschaft Unia 2026