Die Behörden und die SUVA müssen Massnahmen und Baustellenschliessungen durchsetzen

Seit zehn Tagen liegt die Temperatur jeden Tag über 33 Grad und hat sogar den Rekord mit einem Höchstwert von 38 Grad gebrochen. Die Arbeiter auf den Baustellen waren einem übermässigen Hitzestress ausgesetzt, was zu Recht Unverständnis und Empörung in der Bevölkerung hervorgerufen hat. Dennoch gibt es gute Beispiele dafür, dass die Behörden und die Bauherren handeln können: In Genf werden die Baustellen am Freitag um 13 Uhr geschlossen, ebenso wie die Rolex-Baustelle in Bulle, eine der grössten in der Romandie.

Von oben scheint die pralle Sonne, von unten kocht der Asphalt. Unter diesen Bedingungen leisten Bauarbeiter schwere körperliche Arbeit. Die Gluthitze ist dabei nicht nur belastend, sondern eine akute Gefahr für die Gesundheit und Arbeitssicherheit:

  • Extreme Hitze kann zur Dehydrierung, Sonnenstich und Hitzeschlag führen.
  • Jährlich erkranken rund tausend Bauarbeiter an berufsbedingtem Hautkrebs.
  • Gemäss Suva steigt das Unfallrisiko auf Baustellen an Tagen mit über 30 Grad um satte sieben Prozent.

Angesichts der Klimaerhitzung nimmt diese Gefahr von Jahr zu Jahr zu. Bereits im Mai dieses Jahres wurden Rekordtemperaturen erreicht.

Im Dilemma zwischen Gesundheitsschutz und Profit zeigen einige, dass es auch anders geht.

Die grundlegendsten Schutzmassnahmen, wie zusätzliche Pausen, werden von den Arbeitgebern oft ignoriert, da sie auf die Fortführung der Arbeiten pochen, um Strafen wegen verspäteter Fertigstellung zu vermeiden.

Mehrere Beispiele zeigen jedoch, dass die Behörden und Bauherren durchaus in der Lage sind, zu handeln: Das Genfer Arbeitsinspektorat (OCIRT) hat für Freitag ab 13 Uhr die Einstellung aller Arbeiten im Freien und in der Sonne angeordnet. Ebenso hat die Rolex-Baustelle, eine der grössten in der Romandie, beschlossen, die gleiche Massnahme anzuwenden und um 13 Uhr am Freitag zu schliessen.

Heute ist klar, dass das grösste Hindernis für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei extremer Hitze der Profit ist. Die Bauherren entscheiden sich dafür, die Gesundheit der Arbeitnehmer zu opfern, um die Baustellen einige Tage früher fertigzustellen und mehr Profit zu machen. Dass private Bauherren wie die Firma Rolex den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in den Vordergrund stellen, zeigt, dass die von Unia geforderten Massnahmen realistisch und umsetzbar sind.

SUVA und Behörden müssen Verantwortung übernehmen und klare Regeln einführen

Heute geht es darum, verbindliche Schutzmassnahmen und klare Temperaturkriterien festzulegen, ab denen Baustellen geschlossen werden müssen. Jeden Tag, wenn die Temperaturen ihren Höhepunkt erreichen, zahlen die Arbeiterinnen und Arbeiter den Preis. Konkrete Vorschläge für einen Baustopp werden derzeit mit dem Bundesamt für Gesundheit BAG und der SUVA diskutiert. Jetzt liegt der Ball bei der SUVA und den Behörden, die Verantwortung übernehmen und klare Massnahmen und Kriterien festlegen müssen.

Für Unia sind folgende Ziele zentral, denn es braucht klare Regelungen um die Gesundheit der Arbeitnehmenden mit folgenden Punkten zu schützen:

  • Ab 33 Grad müssen schwere Arbeiten im Freien vorübergehend unterbrochen werden.
  • Wird die Arbeit vorübergehend eingestellt, so sind die Baufristen entsprechend nach hinten anzupassen. Die Branchenrichtlinie SIA 118 schlägt dies bereits heute vor. 
  • Die Unia fordert Arbeitgeber, Bauherren und Behörden auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und sich bereitzuerklären, die entsprechende Präzisierung in die Bauarbeitenverordnung aufzunehmen. So entstehen gleich lange Spiesse für alle.

Die Unia wird weiterhin die konsequente Einhaltung der Schutzmassnahmen auf den Baustellen einfordern und zusammen mit betroffenen Bauarbeitern auch die Arbeit einstellen, wenn ihre Gesundheit gefährdet wird.