Wir Kinder von Saisonniers sagen Nein zur extremen SVP-Initiative!

Kinder und Angehörige ehemaliger Saisonniers sprechen sich entschieden gegen die SVP-Initiative «Keine 10 Millionen Schweiz» aus. Rund 100 Personen haben einen entsprechenden Appell unterzeichnet. Sie eint die bittere Erfahrung, in Familien aufgewachsen zu sein, die direkt vom früheren Saisonnierstatut betroffen waren. Die Unterzeichnenden setzen sich deshalb klar für eine Schweiz ein, die auf Würde, Rechte und Solidarität baut – und die Lehren aus ihrer Vergangenheit nicht vergisst.

Ob Maurer oder Monteurin, Künstlerin oder Kaufmann, Universitätsprofessor oder Psychologin: Was rund 100 Persönlichkeiten aus unterschiedlichen beruflichen und sozialen Kontexten eint, ist ihre Erfahrung, als Kinder oder Angehörige ehemaliger Saisonniers aufgewachsen zu sein. Heute sind diese Menschen in der Pflege, in Dienstleistungsberufen, im Gastgewerbe, auf Baustellen oder in der Industrie tätig und leisten täglich einen wichtigen Beitrag zur Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft. Viele von ihnen sind inzwischen eingebürgerte Schweizerinnen und Schweizer.

Die bittere Realität des Saisonnierstatuts

Das Saisonnierstatut war ein spezielles Ausländer- und Arbeitsrecht, das es Unternehmen erlaubte, von 1934 bis 2002 ausländische Arbeitskräfte nur vorübergehend (für eine „Saison“) und weitgehend ohne Rechte in die Schweiz zu holen. Das sogenannte Saisonnierstatut galt bis zur Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002. Das Statut war gekennzeichnet durch fehlende Rechte, prekäre Lebensbedingungen und soziale Ausgrenzung.

Die damaligen Erfahrungen zeigen deutlich, welche tiefgreifenden sozialen, persönlichen und gesellschaftlichen Schäden ein solches System verursacht hat: Familien wurden getrennt, Kinder lebten oft im Verborgenen, und grundlegende Rechte wurden verweigert. Jede unterzeichnende Person hat in ihrer Familie eine eigene – meist leidvolle – persönliche Erfahrung. 

Warnung vor der Rückkehr des Saisonnierstatuts

Die Initiative der SVP weckt grosse Besorgnis. Unter dem Titel «Keine 10‑Millionen‑Schweiz» droht ein massiver Rückschritt hin zu Zuständen, wie sie durch das Saisonnierstatut geprägt waren: Arbeitnehmende ohne Rechte, Kinder ohne Eltern, Eltern ohne Kinder. Vor diesem Hintergrund ist die Initiative als Angriff auf zentrale Errungenschaften wie faire Arbeitsbedingungen, Lohnschutz und die Menschenwürde. Sie gefährdet zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz.

Die Lehren aus der Vergangenheit ziehen

Der Appell von rund 100 Unterzeichnenden setzt sich deshalb klar für eine Schweiz ein, die auf Würde, Rechte und Solidarität baut – und die leidvollen Erfahrungen aus ihrer Vergangenheit nicht vergisst und die Lehren daraus zieht.

Die Unterzeichnenden setzen sich deshalb gemeinsam für eine offene, solidarische und gerechte Schweiz ein – eine Schweiz, die aus ihrer Geschichte gelernt hat und die Rechte aller Menschen respektiert. Für Würde, Rechte und Lohnschutz: Nein zur SVP-Initiative.

Der Appell mit den Unterzeichnenden. Der Appell existiert in fünf Sprachen:

https://unia.ch/de/schwerpunkte/kinder-von-saisonniers

https://unia.ch/fr/points-forts/enfants-des-saisonniers

https://unia.ch/it/temi-principali/figlie-e-figli-dei-lavoratori-stagionali

https://unia.ch/pt/schwerpunkte/filhas-e-filhos-de-trabalhadores-sazonais

https://unia.ch/sq/schwerpunkte/femijet-e-sezoniereve