Termindruck und Missachtung von Schutzmassnahmen gefährden die Gesundheit der Bauarbeiter

In den nächsten Tagen erreicht das Thermometer bis zu 38 Grad. Hitzewellen wie dieser besonders ausgesetzt sind Arbeitnehmende auf den Baustellen. Die Folgen für ihre Gesundheit können gravierend sein. Der hohe Termindruck auf dem Bau führt allerdings dazu, dass Arbeitgeber und Bauherren selbst minimale Schutzmassnahmen immer wieder missachten. Die Bauarbeiter fordern verbindlichere Schutzmassnahmen: Einstellung der Arbeit ab 33 Grad und entsprechende Anpassung des Endtermins.

Von oben scheint die pralle Sonne, von unten kocht der Asphalt. Unter diesen Bedingungen leisten Bauarbeiter schwere körperliche Arbeit. Die Gluthitze ist dabei nicht nur belastend, sondern eine akute Gefahr für die Gesundheit und Arbeitssicherheit:

  • Extreme Hitze kann zur Dehydrierung, Sonnenstich und Hitzeschlag führen.
  • Jährlich erkranken rund tausend Büezer an berufsbedingtem Hautkrebs.
  • Gemäss Suva steigt das Unfallrisiko auf Baustellen an Tagen mit über 30 Grad um satte sieben Prozent.

Angesichts der Klimaerhitzung nimmt diese Gefahr von Jahr zu Jahr zu. Bereits im Mai dieses Jahres wurden Rekordtemperaturen erreicht.

Gesundheit der Bauarbeiter wird dem Termindruck geopfert

Für die Arbeit bei grosser Hitze gelten heute verschiedene Schutzmassnahmen: darunter regelmässige Pausen, die Bereitstellung von Trinkwasser sowie Anpassungen bei den Arbeitszeiten und der Arbeitsorganisation. 

Der neue Landesmantelvertrag Bauhauptgewerbe (LMV), der dieses Jahr in Kraft getreten ist, sieht zudem vor, dass die Arbeit eingestellt werden muss, wenn die Gesundheit der Bauarbeiter gefährdet ist.

In der Praxis missachten Baufirmen jedoch immer wieder die Einhaltung selbst dieser minimalen Sicherheitsbestimmungen für ihre Angestellte. Zentraler Problemfaktor dabei ist der hohe Termindruck der Bauherren als Auftraggeber. Selbst öffentliche Bauherren fordern zunehmend unrealistische Bauzeiten und setzen diese mit Konventionalstrafen knallhart durch.

Bauarbeiter fordern verbindlichere Schutzmassnahmen und Terminanpassungen

Die Bauarbeiter bauen unsere Wohnungen, Spitäler, Schulen und Verkehrswege. Dass ihre Gesundheit geopfert wird, um unnötig kurze Bautermine zu erfüllen, ist ein Skandal!

Damit die Gesundheit der Bauarbeiter wirksam geschützt wird, braucht es verbindlichere Schutzmassnahmen. Daher fordern die Bauarbeiter:

  • Ab 33 Grad müssen schwere Arbeiten im Freien vorübergehend unterbrochen werden.
  • Wird die Arbeit vorübergehend eingestellt, so sind die Baufristen entsprechend nach hinten anzupassen. Die Branchenrichtlinie SIA 118 schlägt dies bereits heute vor. 
  • Die Unia fordert Arbeitgeber, Bauherren und Behörden auf, ihre Verantwortung wahrnehmen und sich bereitzuerklären, die entsprechende Präzisierung in die Bauarbeitenverordnung aufzunehmen. So entstehen gleich lange Spiesse für alle.

Die Unia wird weiterhin die konsequente Einhaltung der Schutzmassnahmen auf den Baustellen einfordern und zusammen mit betroffenen Bauarbeitern auch die Arbeit einstellen, wenn ihre Gesundheit gefährdet wird.